Edelbrände aus Tirol: Warum wir diese Tradition unbedingt erhalten müssen!

Edelbrände aus Tirol: Warum wir diese Tradition unbedingt erhalten müssen!
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Am Anfang war der Schnaps. In Tirol brannte Gott und die Welt Schnäpse. Vornehmlich um minderwertiges Obst loszuwerden. Das hat sich die letzten Jahrzehnte entscheidend geändert. Im Heute wird nur mehr das beste Obst gebrannt. Schnäpse heißen jetzt Edelbrände. Damit wurde in Tirol eine Qualitätsoffensive gesetzt, die um jeden Preis erhalten werden muss.

Heute wird nur mehr das beste Obst gebrannt

Heute wird nur mehr das beste Obst gebrannt

Dazu muss etwas vorausgeschickt werden: Wenn wir von einem Edelbrand reden, dann reden wir in Tirol nicht von einem Marketing-Gag. Und schon gar nicht davon, dass über Nacht beschlossen wurde, statt von Schnäpsen von Edelbränden zu sprechen.

Es verhält sich genau umgekehrt: Weil die Edelbrände aus Tirol nur mehr wenig mit der uneinheitlichen und teils qualitativ nicht gerade berauschenden Praxis des Schnapsbrennens zu tun hatte, musste eine neue Bezeichnung her. Seither steht der Begriff „Edelbrand“ dafür, dass die Edelbrände ohne Zucker und künstliche Aromen auskommen und zu 100 % aus Obstmaische gebrannt werden.

Edelbrände aus Tirol: Qualität Hoch Drei!

Die Qualität der Tiroler Edelbrände spricht für sich. Weltweit gesehen ist der Markt für Edelbrände aus Obst eine Mini-Nische. In Tirol wird diese aber, zu Recht, hochgehalten. Warum sollten wir nicht in veredelter Form das trinken, was rund um uns herum wächst? Wir bekommen quasi in destillierter und somit komprimierter Form Obst in unser Glas. Wir schmecken sozusagen das, was Tirol so ausmacht. Eine wunderschöne Sache und ein Musterbeispiel, wie Regionalität auf der Qualitätsebene zu verstehen ist.

Die Qualität ist auch dadurch bedingt, dass hier, der Tradition und den zum Teil ellenlangen Familiengeschichten sei Dank, nicht jedem Trend hinterher gehechelt wird. Statt oberflächlichem Zeitgeist regieren hier die Beständigkeit und das Handwerk.

Um das zu belegen muss man sich, die Auswahl erfolgte nach persönlicher Präferenz, einige dieser Betriebe ansehen, aus deren Schnapskesseln feinste Edelbrände aus Tirol kommen.

Edelbrände aus Tirol: Diese Brennereien müsst ihr kennen!

Eine lange Familiengeschichte hat die Familie Kuenz aus Dölsach in Osttirol vorzuweisen. Seit über 450 Jahren steht der Hof bereits im Besitz der Familie. Das macht ihn zum Erbhof. Bereits Maria Theresia verlieh den damaligen Besitzern das Brennrecht. Hermann und Martina Kuenz sind die 11. Generationen hier am Hof. Unter ihrer Hand haben sich die Obstanlagen  rings um den Hof gehörig erweitert. Auch das Sortiment hat sich deutlich vergrößert. Stolze 38 Edelbrände sind erhältlich.

Das Sortiment der "Naturbrennerei Kuenz" wurde über die Jahre konstant erweitert (Bild: www.kuenz-schnaps.at)

Das Sortiment der „Naturbrennerei Kuenz“ wurde über die Jahre konstant erweitert (Bild: www.kuenz-schnaps.at)

Aushängeschild ist der Pregler. Dabei handelt es sich um einen hochwertigen Obst-Edelbrand, in den verschiedene Birnen und Äpfel kommen. Mittlerweile ist der Pregler, nicht nur aus dem Hause Kuenz, so etwas wie der offizielle Repräsentant, wenn es um Edelbrand-Kultur in und aus Osttirol geht. Geschmacklich differenziert und reichhaltig ist dieser Edelbrand so weit entfernt von dem Fusel, den man leider noch zum Teil auf der einen oder anderen Skihütte in Tirol vorgesetzt bekommt, wie nur irgendwie möglich.

Doch nicht nur in Osttirol, sondern auch im ebenso schönen Zillertal werden hochwertige Edelbrände aus Tirol gebrannt. Allem voran möchte ich hier den „Stiegenhaushof“ in Schwendau bei Mayrhofen nennen. Sieht man sich die Schaubrennerei an, dann kommen einem schnell drei Worte in den Sinn: Echt, authentisch, hochwertig und bodenständig. Hier wurde nicht aus einem Zeitgeistdenken auf hochwertige Edelbrände gesetzt, sondern aus der Tradition heraus.

Edelbrände vom "Stiegenhaushof": Tradition trifft Gegenwart (Bild: Markus Stegmayr)

Edelbrände vom „Stiegenhaushof“: Tradition trifft Gegenwart (Bild: Markus Stegmayr)

Kein Wunder, denn auch hier haben wir es mit einem Hof zu tun, dem schon im 18. Jahrhundert das Maria Theresianische Brennrecht verliehen wurde. Damit wurde die gute, alte Kulturtechnik des Schnapsbrennens über die Generationen weitergegeben. Martin Fankhauser und seine Frau Kathrin wissen somit bestens, was sie tun.

Man hat es außerdem nicht verabsäumt, die Qualität über die Jahrzehnte sogar noch sukzessive zu erhöhen und das Sortiment konstant zu erweitern. In der Tradition verhaftet zu sein bedeutet nämlich keineswegs, nur an der vermeintlich guten alten Zeit festzuhalten, sondern sich auch mit den Qualitätsstandards im Hier und Jetzt auseinanderzusetzen. Auch hier wird auf Zuckerzusatz und Aromastoffe bei den Edelbränden absolut verzichtet.

Ein Blick ins Tiroler Oberland, nach Rietz, legt offen was die Edelbrände aus Tirol so besonders macht: Die Qualität des Obstes und der Früchte! Hier ist Nomen jedenfalls Omen: Auch in „Mair´s Beergarten“ bekommt man hervorragende Edelbrände. Hergestellt, no na net, aus den hauseigenen Früchten. Das heißt natürlich auch, dass sich der Fokus ein wenig verschiebt und man Edelbrände bekommt, die sonst schwer zu haben sind. Heidelbeere und Johannisbeere stehen am Programm. Auf die obligatorische Marille und diverse Apfel-Edelbrände muss man zum Glück dennoch nicht verzichten.

Hochdekoriert: Die Edelbrennerei Franz Kostenzer am Achensee (Bild: www.schnaps-achensee.at)

Hochdekoriert: Die Edelbrennerei Franz Kostenzer am Achensee (Bild: www.schnaps-achensee.at)

Ebenso hochdekoriert in Sachen Auszeichnungen wie die hier genannten Brenner-Kollegen ist die Edelbrennerei Franz Kostenzer. Gelegen im schönen Maurach am Achensee wird dort ebenfalls auf Edelbrände und höchstes Niveau gesetzt. Ein Dogma findet sich auch am Achensee wieder: 100 % Fruchtdestillat-Anteil. Keine zusätzlichen Aromastoffe. Die Aromen werden rein aus Gärung gewonnen. Die Frucht ist genug. Das reicht auch, denn wenn die verwendeten Früchte hochwertig sind ist es schon erstaunlich, was geschmacklich und olfaktorisch so alles möglich ist. Die Steinobst- und Kernobstbrände gehören zum qualitativ Besten, was es in Tirol so gibt.

Eines ist also klar: Wir haben hier einen echten Kulinarik-Schatz in Tirol, der sich in dieser Form weltweit sonst nicht finden lässt. Nichts gegen den Zeitgeist. Nichts gegen Gin & Co. Auch hier lässt sich mit Qualität und Handwerk viel Gutes erzeugen. Aber vergessen wir nicht auf unsere Edelbrände aus Tirol, die mit bestem und handverlesenem Obst in aufwändigen Brennverfahren erzeugt werden! Ein wesentlicher Teil unserer kulturellen Identität würden fehlen, wenn es diese nicht mehr gäbe.

Titelbild: www.kuenz-schnaps.at