Sportartikel: online oder offline kaufen?

Sportartikel: online oder offline kaufen?
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Mein Verschleiß ist hoch – an Tennisschuhen. Je nach Trainingsintensität und Tennisliga-Einsätzen brauche ich circa drei neue Paare pro Jahr. Ich lebe in Innsbruck, der Sporthauptstadt Österreichs, dem gefühlten Olymp des Sporthandels. Werde ich hier Tennisschuhe finden?

Online ist schon da und Multichannel kommt

Wo gibt's ein passendes Fahrrad?

Wo gibt’s ein passendes Fahrrad?

Ich klappere sie ab, die Goliaths des Sporthandels in Innsbruck und antworte: „Nein.“ So kurz und prägnant verläuft meine stationäre Odyssee nicht. Doch Tennisschuhe meiner Marke finde ich in keinem Sportgeschäft. Daher bestelle ich online bei unserem Nachbarn, dem Nischenprofi von tennis-point.de zu fairem Preis, bei schneller Lieferung. Das taugt mir.

Meine Freundin Michaela ärgert sich. Ihr Rad ist weg: offenbar gestohlen. Gerade recherchiert sie im Internet nach einem Drahtesel, der zu ihr passt. Damit ist sie nicht allein. Denn laut Gallup Branchenmonitor 2015 liegt im Sporthandel der Anteil der Online Käufer bei sieben Prozent. Tendenz steigend. Michaela landet in der Welt von Hervis Sports Multichannel, nennt Österreichs größter Sportfachhändler seine innovative Strategie: Und die Verknüpfung von Online mit Offline funktioniert. Michaela entscheidet sich für 21 Gänge und die Farbe Weiß. Drei Tage später holt sie ihr City Bike in der Hervis Filiale vor Ort ab und ist glücklich.

Der Laden ums Eck – der David kann viel

Ich mag den stationären Handel, den kleinen und feinen Händler ums Eck. Beim Laufen gibt mir das Fachgeschäft Rückenwind seinen Namen. Dort komme ich hinein, gehe aufs Laufband, spreche über meine Ambitionen, die zwischen Joggen und leichten Trails liegen, und trage 20 Minuten später meine neuen Lieblingsschuhe zu Füßen. Warum? Dank Videoanalyse meines Laufstils am Laufband empfehlt mir der Verkäufer, selbst Läufer, einen neutralen Laufschuh. Seither läuft es beim Laufen.

Wenn's beim laufen läuft ...

Wenn’s beim laufen läuft …

Mein Freund Richard kauft nie die Katze im Sack. Er ist der haptische Typ. Er will seine potentielle Sportausrüstung angreifen und probieren. Da haben sich Sport Bartl und er gefunden. Nach sportlichen Gesprächen auf hohem Niveau entscheidet sich Richard für einen breiten Tourenschi mit flacher Schaufel: Der nächste Pulverschnee kommt. Bei der Bindung bevorzugt er die leistungsstarke Allrounderin. Das Skibootfitting macht Richard und seinen Knicksenkfüßen richtig Spaß. Die Tourenschuhe mit vier Schnallen sind der neoorange Hingucker und mit den thermodynamisch angepassten Innenschuhen steht einem 24 Stunden Rennen auf das Hoadl-Haus in der Axamer Lizum nichts mehr im Wege.

Plötzlich versagen meine Scheibenbremsen auf der Innsbrucker Unibrücke. Spontan gehen meine Mountainbiker-Montur, mein Bike und ich ins Sport Spezial, denn ein Radler auf der Höttinger Alm wartet schon. Es ist kurz vor Ladenschluss. Trotzdem tauscht der freundliche Mechaniker meine Bremsbacken in null Komma nix. Ich darf sogar beim Reparieren zuschauen und lernen. Seitdem wechsle ich diese Verschleißteile selbst.

Was machen die Goliaths?

Die Goliaths fahren auf mit Riesen Sortiment. Beim Schlendern durch die Sporttempel finde ich oft gute Angebote. Von Sportsocken im Multipack über einen zusammenklappbaren Camping-Gasherd mit zwei Platten bis hin zu einem Alpinhelm im Winter-Sale. Ob der großen Verkaufsfläche schreiben sie hier Beratung klein. Erst an der Kassa spricht das Verkaufspersonal. Wenn ich in den Warenbergen Qualität finde, dann brauche ich viel Muße beim Suchen und Glück, dass die eigenen Größen noch da sind.

Die Ausnahmen unter den Goliaths bilden bekannte Marken mit Ihren David Niederlassungen. Mein robustes drei Saisonen Zelt finde ich beim North Face Store in Innsbruck: ein Leichtgewicht für anspruchsvolle Übernachtungen in Frühling, Sommer und Herbst. Ebenso leicht demonstriert mir der Verkäufer live im Shop Auf- und Abbau. Da im Lieferumfang Heringe fehlen, erhalte ich beim nächsten Besuch zehn Carbon-Heringe gratis: noch Fragen?

Gute Ausrüstung ist die halbe Miete

Gute Ausrüstung ist die halbe Miete

In Guatemala besteige ich den Acatenango, einen inaktiven Vulkan. Aktiv und sicher bewegen sich meine Bergschuhe vom Sportler mit mir zwischen Vulkanasche über Stock und Stein. Serienmäßig neben der Vielzahl an Top Marken leben beim Sportler kompetente Experten ihres Sportfachs. Ein Einkauf hier ist wie ein Schnellseminar der Lieblingssportart: auch diesmal. Wenn ich jetzt auf den Berg gehe, binde ich meine Schuhe so wie der Verkäufer seine bindet: Blutstau exklusive.

Fazit

Wer auf Qualität und gute Beratung steht, der besucht das kleine aber feine Sportfachgeschäft ums Eck. Meistens kennt dort einer einen, den einer kennt. Dann bekommt man neben einem super Produkt auch noch einen Rabatt. Wer seine Lieblingsmarke hat, wie beispielsweise Tennisschuhe, die immer passen, und einen Online Händler, der verlässlich liefert, dann empfehle ich, dort Kunde zu bleiben: getreu dem Motto: Never change a running system.

Wer auf viel Auswahl steht und gerne Schnäppchen jagt, der wird auch bei größeren Anbietern glücklich. Die Zukunft des Sporthandels sind hybride Konzepte, die Online und Offline miteinander verknüpfen. Ich bestelle meinen Artikel günstig online und erlebe ihn offline in der Filiale. Wenn er mir nicht gefällt, dann kaufe ich ihn nicht und spare mir den Aufwand des Zurücksendens.

Danke für den Text an Hartmut Müller.