Elefanten im Ötztal – Hannibal jetzt auch im Sommer?

Elefanten im Ötztal – Hannibal jetzt auch im Sommer?
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Mehrere afrikanische Elefanten wurden in der Gegend zwischen Längenfeld und Sölden gesichtet. Wie die Elefanten ins Ötztal gekommen sind ist noch unklar. Bei der Frage, warum die Tiere aus der afrikanischen Steppe nach Tirol gewandert sind, haben Forscher aber eine Erklärung. Vermutet wird, dass die extrem heißen Temperaturen im Juli und August in Afrika den Tieren zu schaffen gemacht haben. Die Auswirkungen des globalen Klimawandels nehmen auch in Afrika immer bedrohlichere Ausmaße an.

Elefant in seiner eigentlich natürlichen Umgebung

Ihre natürliche Umgebung wurde den Elefanten zu heiß, so kamen sie ins klimatisch angenehme Ötztal.

Für uns eindeutig viel zu heiß, kommt die extreme Hitze im Juli und August in Tirol den afrikanischen Elefanten jedoch sehr entgegen.

„Elefanten sind die Hitze Afrikas gewohnt und empfinden Tirol als klimatisch sehr angenehm“, sagt ein Zoologe.

„Hier ist es zwar heiß, aber bei Weitem nicht so heiß wie in ihrer Heimat. Landschaftlich gefällt es den Tieren in Tirol ebenfalls sehr gut“, so der Experte.

 

Was trieb die Elefanten aber ausgerechnet ins Ötztal?

Auch dafür haben die Forscher eine Erklärung, und diese scheint auch plausibel zu sein. Gab es seit Hannibals Alpenüberquerung im Jahre 218 v. Chr. in Europa keine Elefanten mehr, scheint genau das der Grund dafür zu sein. Forscher vermuten nämlich, dass die Tiere auf der Suche nach ihren Vorfahren sind – den Elefanten von Hannibal.

Die Polizei warnt: Elefanten sind nicht immer friedlich!

Es wurden aber auch Elefanten in der Gegend um die AREA 47 gesichtet. Vermutlich haben sich die Tiere auf der Suche nach ihren Urahnen verlaufen. Wiederholt gehen Anrufe besorgter Anwohner bei der Polizeiinspektion Ötz ein. „Die Menschen im Ötztal sind in Sorge und wir müssen teilweise mehrmals täglich ausrücken“, sagt der Leiter der Polizeidienstelle in Ötz. Die Lage wird als „ernst“ eingestuft, da das Verhalten der Tiere von Beobachtern als teilweise aggressiv beschrieben wird.

So wurde im Sommerfreizeitareal AREA 47 ein deutsches Urlauberpaar von zwei Baby-Elefanten attackiert. Ob die beiden Jungtiere nur spielen wollten oder in böser Absicht gehandelt haben ist unklar. Das Paar wanderte am 10. August 2015 im Bereich der AREA 47 auf der Gemeindestraße entlang, als es plötzlich von den Baby-Elefanten angegriffen wurde. Die beiden Tiere rannten mit hoher Geschwindigkeit auf die beiden Wanderer zu und drängten sie dabei von der Straße ab. Die beiden Urlauber konnten zum Glück einen Sturz vermeiden und kamen mit dem Schrecken davon.

AREA 47

Auch in der AREA 47 gefällt es den Elefanten aus Afrika sehr gut. Die Baby-Elefanten wollten sicher nur spielen. © AREA 47

Die Polizei gibt eine Warnmitteilung aus: Elefanten sind die gefährlichsten Säugetiere der Welt und gehören zu den 10 gefährlichsten Killern der Natur. Jedes Jahr töten ausgewachsene Dickhäuter weltweit 500 Menschen – dagegen ist der Weiße Hai ein zahmer Fisch.

Waid­manns­heil – Abschussgenehmigung für Elefanten?

Erinnerungen kommen auf an JJ1 oder besser bekannt als „Bruno“, der im Frühsommer 2006 aus der italienischen Provinz Trentino in Richtung Norden wanderte und sich längere Zeit im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet aufhielt. Bruno wurde als „Problembär“ eingestuft, gejagt und erlegt. Heute ist Bruno im Münchner Museum Mensch und Natur ausgestellt.

Gleich wie im Fall „Bruno“, sollen die Elefanten im Ötztal als „Problemelefanten“ eingestuft, gejagt und getötet werden. Eine Diskussion über den Erlass einer Abschussgenehmigung ruft allerdings Tierschutzorganisationen vehement auf den Plan.

Der Österreichische Tierschutzverein ÖTV will versuchen, den Abschuss der Elefanten mit allen Mitteln zu verhindern. Auch Peta Deutschland sowie der Verein WWF Österreich haben in einer offiziellen Stellungnahme Maßnahmen gegen den Abschuss der Elefanten angekündigt.

Wildern ist im Trend – Wie der Jäger zum Sammler wird

Der Homo Sapiens ist seit Menschengedenken Jäger und Sammler. Daran hat sich nichts geändert. Warum auch? Was gejagt wird, wird auch gesammelt, und ein Blick in das Haus eines passionierten Jägers offenbart die Sammelleidenschaft. Geschmückt sind die Wände mit Jagdtrophäen, die stolz die Qualitäten des Jägers symbolisieren: Spürsinn, Geduld und Treffsicherheit.

hunting, war, army and people concept - close up of young soldier, ranger or hunter with gun in forest

Tierschützer befürchten, dass Wilderer bald Jagd auf die Elefanten machen werden.

Was in der stolzen Sammlung noch fehlt, um den Anblick perfekt zu machen, ist der Kopf eines Elefanten, mit seinen wertvollen Stoßzähnen aus Elfenbein. 

Im Ötztal bietet sich die Gelegenheit dazu. Ein prächtiger Elefantenkopf ohne dafür nach Afrika reisen zu müssen. Alles praktisch vor der Haustür. Jetzt heißt es nur schnell sein, sonst hängt die Trophäe nämlich woanders.

Wildern ist scheinbar im Trend und Wilderer sind bereit Unsummen für eine Trophäe zu bezahlen. So hat ein US-amerikanischer Zahnarzt am 01. Juli 2015 in Simbabwe einen Löwen namens „Cecil“ getötet. Der 13 Jahre alte Löwe (mit seiner markant schwarzen Mähne) galt als ein Wahrzeichen des Hwange-Nationalparks im Nordwesten des Landes. Der Wilderer ließ sich den Kopf des Löwen stolze 45.000 Euro kosten – wer hat, der kann.

Die Elefanten sollen leben! Zu unserer Unterhaltung

Es herrscht aber nicht nur Besorgnis, sondern auch findige Geschäftsideen machen die Runde. Der Alpenzoo Innsbruck möchte die Elefanten um jeden Preis nach Innsbruck holen, um dadurch den Alpenzoo um eine Attraktion reicher zu machen. Wenn man schon „Bruno“ nicht hat, dann müssen eben die Elefanten aus dem Ötztal her. In dem Fall aber nicht tot, sondern um jeden Preis lebendig. Da sind die Ötztaler aber entschieden dagegen. Obwohl weiter unklar ist wo die Tiere herkommen, plädieren die Verantwortlichen des Ötztal Tourismus darauf, dass die Elefanten im Ötztal bleiben.

Peerlersee Sölden

Die neue Heimat der Elefanten. Am Wasser gefällt es den Elefanten sehr gut, so wie am Peerlersee in Sölden. © Ötztal Tourismus

Wer letztlich Profit aus den Elefanten schlagen kann, oder ob sie Jägern oder Wilderern zum Opfer fallen, bleibt abzuwarten. Man kann nur hoffen, dass die Elefanten am Leben bleiben. Denn so hat man bald die Möglichkeit, das Hannibal Schauspiel in Sölden künftig auch im Sommer zu erleben.

Titelbild: © Ötztal Tourismus / Isidor Nösig