Almabtrieb statt Stierkampf: Hola, Tirol!

Almabtrieb statt Stierkampf: Hola, Tirol!
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Wenn man als Ausländer in einem neuen Ort anfängt, ist zu Beginn alles anders. Man muss lernen, sich zu adaptieren und in der fremden Umgebung zurecht zu kommen. Erfahrungsgemäß kann ich, gebürtige Spanierin – und Südländerin im Herzen – sagen, dass viele Schwierigkeiten auftauchen. Zum Beispiel, die Sprache lernen: der Tiroler Dialekt, den man hier hört, hat nicht viel gemeinsam mit dem schönen Hochdeutsch, den man in den Büchern des Fremdsprachkurses fleißig übt! Oder auch mit neuen Leuten zu kommunizieren, sich an das Wetter anzupassen, sich bei Behörden durchzukämpfen… die Liste der Herausforderungen findet manchmal kein Ende.

Beim Auswandern geht es nicht nur um das Offensichtliche, wie die Strand- und Meereslandschaft durch Berge zu ersetzen, sondern auch neue Traditionen zu erforschen und somit den eigenen Horizont zu erweitern. Das Tiroler Volk ist sehr anders als das Spanische, aber trotzdem kann man Ähnlichkeiten finden und diese mit den eigenen Erfahrungen in Verbindung bringen.

Tiroler verehren ihre lokalen Bräuche

In meinen Augen haben die Tiroler eine große Liebe für lokale Traditionen, etwas was auch die Spanier zutrifft. Die Tiroler sind sehr kulturbewusst, was Gastronomie, Geschichte, typische Bräuche oder sonstige ortsnahen Sitten angeht. Einer dieser Traditionen, die mich am meisten beeindruckt haben, ist der sogenannte Almauftrieb, der im frühen Sommer anfängt.

Tiroler, sowie die Halbinsel-Einwohner, sind seit Jahrhunderten in engem Kontakt zu den Rindern gewesen, und daraus sind viele Feste und Zeremonien entstanden. Unter den bekanntesten Vieh-Festen in Spanien gibt es sogar manche, die internationalen Ruf haben. Vielleicht haben einige von euch von den „Sanfermines“ gehört, ein Stierlauf von Bilbaos Altstadt bis in die Stierarena, in dem sechs Tiere von tausenden Menschen während 800 Meter begleitet werden. Weltbekannt sind ebenfalls die Stierkämpfe, in denen sich ein tapferer „Torero“ gegenüber eines stürmischen Bullen stellt und in einer Arena voller Publikum seine Kraft beweist.

In Tirol gibt es mehr Bräuche mit Kühe als mit Stiere

In Tirol gibt es mehr Bräuche mit Kühe als mit Stiere

In Tirol hingegen, gibt es mehr Bräuche mit Kühe als mit Stiere. Meine Begeisterung war groß als ich von den Almauftrieben hörte, die hier eine sehr bedeutende Wichtigkeit für die Einheimischen haben. So werden am Anfang des Sommers die Tiere vom Tal in die Berge aufgetrieben und man lässt sie auf den Almen weiden. Ist während den warmen Monaten alles gut gelaufen und es sind keine Unfälle passiert, dann werden sie im Frühherbst wieder runter gebracht.

Am schönsten finde ich die Blumen- und Glocken-Ornamente, mit denen die Hirten die Kühe schmücken, wenn sie mit diesen in die Dörfern zurückkehren. Die Kühe sehen ganz „fesch“ aus und der Viehscheid kommt mir bunt und fröhlich vor.

Nicht zu vergessen ist die große wirtschaftliche Bedeutung, die diese Feste mit sich bringen. In Spanien ist der Stierkampf ein Milliardengeschäft, der mehrere Hunderttausende Arbeitsplätze generiert. In Tirol können viele Hirten, Viehzuchtvereine oder andere, die ihren Beruf im landwirtschaftlichen Umfeld ausüben, ihren Lebensunterhalt verdienen. Sogar die Gastronomie profitiert davon. Hütten oder Wirte sind in Form von Ständen beim Almabtrieb Fest zu finden und sie bieten die köstlichsten Spezialitäten an, die typisch für jede Region sind, wie Schnaps oder Käse.

Die Kühe sehen ganz „fesch“ aus und der Viehscheid kommt mir bunt und fröhlich vor.

Die Kühe sehen ganz „fesch“ aus und der Viehscheid kommt mir bunt und fröhlich vor.

Falls sich andere Ausländer unter den Lesern befinden, die sich wie ich zum ersten Mal mit dieser Tradition auseinander setzen, kann ich einen Besuch zu den Almabtrieben nach dem Sommer nur empfehlen. Einer der beliebtesten und bekanntesten ist der Zillertaler Almabtrieb, der jährlich tausende Besucher in den Ort anlockt. Und wenn ihr einmal in Spanien seid, lasst euch auch nicht ein Fest mit Stieren entgehen.

Vielen Dank an Johanna Falkner für die Bilder!