Das Ötztal: Ja ich hatte Unrecht – Eine Eloge

Das Ötztal: Ja ich hatte Unrecht – Eine Eloge
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Ich hätte es tatsächlich nicht gedacht. Mein Artikel über das Ötztal hat für einigen Wirbel gesorgt. Staub aufgewirbelt. Die meisten Rückmeldungen gingen in die Richtung: „Geh scheissen, Alter.“ In etwa: Du blöder Städter hast ja keine Ahnung wie schön es bei uns im Ötztal ist. Ich möchte allen beleidigten Ötztalern jetzt ganz klar sagen: Natürlich ist das Ötztal der Nabel der Welt. Und ich habe mich ganz fundamental geirrt. Denn es ist so schön dort, wie es nur irgendwo schön sein kann.

Ganz kurz möchte ich zuerst aber den Ablauf skizzieren. Tag 1: Der Artikel geht online. Nichts bis wenig passiert. Dann plötzlich, abends, die ersten „Rückmeldungen“. Die ersten Beschimpfungen. Kommentare auf meiner Facebook-Seite, die in etwa „Völltepp“ lauten. Ich weiß nicht, ob das der berühmte Ötztaler Dialekt ist oder ob es bei manchem User einfach ein wenig an der Rechtschreibung mangelt. Auch Kommentare wie „oltor les den sxheiss amol der vollkoffer“ trudeln langsam ein.

Im Ötztal ist sogar der Schnee weißer und die Sonne heller (Bild: Ötztal Tourismus)

Im Ötztal ist sogar der Schnee weißer und die Sonne heller (Bild: © Ötztal Tourismus)

Ich nehme an, dass auch dieser hochpoetische Satz dem Ötztaler Dialekt entnommen ist, der ja bekanntlich Weltkulturerbe ist. Ich respektiere dieses Weltkultur-Erbe und antworte auf solche Kommentare erst einmal gar nicht. Ich lasse sie über mich ergehen. Die Beschimpfungen, die per Facebook-Mail einlangen überfliege ich nur ein wenig.

Die meisten verstehe ich nicht, weil sie eine Mischung aus Dialekt, eher einfacher Argumentation und Beschimpfung sind. Mein persönliches Highlight möchte ich aber noch kurz mit euch teilen: „Mit 20 jahr worsch immer no bett nässer Du schnautzgsicht anschauen duasch wia a kinderschänder solche wia die haben se friager an di wond gselt hosch lei Glück das solche wia in andreas in hofer nima gibt der hat dir schu gezoagt wos lang geat“.

Wenn ihr euch jetzt mal die Mühe gemacht habt den Satz hermeneutisch zu interpretieren dann werdet ihr vielleicht merken, dass es sich dabei um keinen sonderlichen netten und wohlmeindenden Satz handelt. Dennoch fällt hier eine Bemerkung, die ich interessant finde. Dieser User spielt auf Andreas Hofer an, der ja irgendwie als Synonym für Patriotismus und Heimatstolz herhalten muss. Es war also klar: Ich hatte die Ötztaler in ihrem Heimatstolz getroffen. Ich hatte sie persönlich beleidigt. Ganz so als wäre ich am Stammtisch in Umhausen gesessen und hätte ihnen ins Gesicht geschrien, dass die Ötztaler die letzten „Völlteppen“ sind.

Im Ötztal sind die Männer noch echte Männer und die Idylle ist idyllischer

Eines hatte ich also unterschätzt: Den Heimatstolz der Ötztaler, die das Ötztal als den Nabel der Welt ansehen. Denn schöner ist es bekanntlich nirgendwo. Nirgendwo ruhiger und idyllischer als in Niederthai. Nirgendwo anders ist mehr Party als in Sölden. Und wer in Obergurgl keine Ruhe und nicht das perfekte Hotel findet, der ist eh nur ein dummer Städter, der sich bitte schön in sein urbanes Ghetto zurückziehen und dort Hip-Hop hören soll. Ins Ötztal werden solche Leute in Zukunft nicht mehr gelassen.

In Niederthai hat es sich die Idylle heimisch eingerichtet.

In Niederthai hat es sich die Idylle heimisch eingerichtet.

Denn schließlich und endlich wird im Ötztal noch echte Volksmusik gehört, die Wiese noch von der Hand gemäht und natürlich sind die Ötztaler mit beiden Beinen am Boden geblieben. Im Tal verwurzelt und in der Welt zuhause. Wer im Ötztal aufwächst, der bringt es weit auf der Welt. Das weiß ich jetzt. Und ich möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, wenn ich den Sachverhalt falsch eingeschätzt habe. Auch Blogger und Schreiberlinge können sich mal irren. Selbst ich bin nicht unfehlbar.

Jetzt weiß ich es jedenfalls endlich: Die stolzesten Menschen wohnen im Ötztal. Und sie sind zu Recht stolz darauf, was sie haben. Ich sage nur Area 47! Stuibenfall! Piburger See! Der Wiener würde sagen, dass das Ötztal eindeutig „Wöd“ ist und damit meinen, dass es dort ganz schön „klass“ ist.

Was es dort vor allem auch noch gibt: Echte Männer! Muskelbepackt und von der Arbeit am Feld gestählt kann ihnen so schnell nichts etwas anhaben. Im Ötztal sind die Seen blauer, die Luft besser, die Idylle idyllischer. Und der Aqua Dome definiert das, was Wellness ist gänzlich neu. Und Skifahren kann man eigentlich auch nur in Sölden so wirklich. Dass es dort die beste Disco gibt brauche ich euch ja ohnehin nicht mehr zu sagen. Das wisst ihr ja bereits.

Im Ötztal steht dann selbstverständlich auch das eine oder andere perfekte Hotel. Die Kulinarik und die ganze kulinarische Welt ist dort zuhause, wie ich in meinem Interview mit einem Ötztaler Koch ja schon erfahren durfte. Provinziell ist hier rein gar nichts. Stattdessen wieder mal „Wöd“. Was hier gekocht wird kann sich mit der ganzen Welt messen.

Am meisten hat mich aber ein Kommentar berührt, der mir sinngemäß vorgeworfen hat, dass es an mir liegt. Ich würde einfach zu wenig wahrnehmen und wenn dann nur dasjenige, das eben von Menschen gemacht ist. Langlaufloipen, Hotels, Veranstaltungs-Locations. Ich hätte keinen Sinn für Schönheit, für Natur, für Unberührtheit.

Ganz schön dunkel müsse es in mir aussehen, wenn ich nur zu diesem Blick fähig sei. Denn die Schönheit sei im Ötztal ja bitte sehr tatsächlich omnipräsent. Wer da keine Schönheit erkenne, in dem schaue es seelisch gesehen ganz schön hässlich aus. Ich hatte also quasi meine eigene innere Hässlichkeit auf das Außen projiziert. Nicht übel, dass mir die Ötztaler und Ötztalerinnen jetzt sogar die eine oder andere Selbsterkenntnis beschert haben. Therapiesitzung quasi nichts dagegen.

Was habe ich also aus dieser Sache gelernt? Ganz einfach: Lass doch bitte schön den Ötztalern ihren Dialekt, ihren Stolz und ihre Highlights. Bitte versteh, dass das Ötztal ein absolut aufstrebendes Tal ist, in dem man eigentlich alles findet: Von Party bis Idylle. Von Wellness bis Event. Da wird es auch verständlich, dass sich die Stammgäste nur so darum reißen, wieder und wieder in Ötztal zu kommen.

Da wird es auch verständlich, dass es in dem ein oder anderen Hotel einen VIP-Club gibt, von dem mir meine Bekannte ganz stolz erzählt hatte. Ein Club für Stammgäste und für solche, die immer wieder kommen möchten. Erst langsam begreife ich. Weil ich manchmal schwer von Begriff bin. Manchmal braucht es schon einen Shitstorm um zu bemerken, dass das Ötztal doch der Nabel der Welt ist. Danke liebe Ötztalerinnen und Ötztaler.

In dieser Hinsicht: Die Diskussion über das Ötztal ist eröffnet. Ich hoffe ihr verzeiht mir, lieber Ötztalerinnen und Ötztaler!

  • cordu

    Hallo! Ich habe vor wenigen Minuten noch auf den „ursprünglichen“ Artikel reagiert, nun erst gerade diesen gelesen. Inhaltlich bleibt für mich nichts Neues zu sagen. Die Entschuldigung deute ich auch als relativ polemisch… nachdem in diesem Reaktionsartikel wiederum einseitige Kommentare von scheinbar gekränkten ÖtztalerInnen mit vermeintlicher Dialekt- bzw. Rechtschreibproblematik dargestellt werden… Es gab darüber hinaus auch andere Kommentare, aber man will offensichtlich einseitig bleiben, oder?
    Nun ja, letztlich gibt es Meinungen, die nicht gehört werden möchten! Ich bin im Ötztal geboren, bin nicht sonderlich heimatverbunden, gerne in der Welt unterwegs, liebe Sandstrände fast genauso wie das Ufer des Piburgersees, aber eines kann ich mit Gewissheit sagen, nachdem ich schon so manches Fleckchen Erde gesehen habe, das Ötztal muss sich im internationalen Vergleich sicherlich nicht verstecken und ich finde es mit jedem Mal „nach Hause kommen“ noch ein Stückchen schöner und lebenswerter… Aber alles liegt im Auge des Betrachters!

  • Adm Grs

    Bitte unterlasse in Zukunft Artikel über den Tourismus in Tirol, davon scheinst du wohl wenig Ahnung zu haben.

  • monika

    …du hast keine Diskussion hervorgerufen denn eine Diskussion verläuft anderst …in jeden deiner Artikel (leider hab ich mir die Zeit genommen diese zu lesen) liest man Sarkasmus…dein Niveau zum schreiben ist es Menschen zu beleidigen ..ich bin Oetztalerin /Tirolerin und stolz drauf…wie die Gegenargumente beweisen halten wir zusammen, unsre Liebe zur Heimat ist unser Stolz…aber du Markus wirst wohl so ein Fleckchen auf dieser Welt niemals finden deshalb werden deine Artikel nur Anklang finden die gleich denken wie du und das sind sehr sehr sehr sehr sehr wenige…
    P.S: auch in deinen Artikeln findet sich einiges an Rechtschreibfehlern

  • Gerry Baumer

    Sehr geehrter Herr Stegmayr,

    ebenfalls ich als Ötztaler habe just Ihren Artikel,
    polemischer Art, erschrocken gelesen. Ich erhoffte mir innerlich immer wieder
    eine Wende in der abgedroschenen Formulierung, doch wurde ich schlussendlich
    von dieser enttäuscht.

    Nicht anders verhält sich meine Emotion hinsichtlich des
    zweiten Textes, den Sie als „Eloge“ bezeichnen. Desto länger ich über beide
    Texte, und ihr Verhältnis zueinander, nachdenke, wirft sich in meinem Geiste
    die Frage auf, welche Ziele Sie sowohl mit dem ersten Text (Polemik) als auch
    mit dem zweiten Artikel (Eloge)
    verfolgen. Ich kann mir diese Antwort leider nicht ableiten. Es soll noch
    schlimmer kommen: In Ihrem zweiten Artikel stellen Sie nochmals Behauptungen
    wie „Wer im Ötztal aufwächst bringt es weit“, „Im Ötztal ist alles idyllischer
    als anderswo“ oder „Nirgendwo ist es schöner als in Niederthai“ auf, die
    schlicht und einfach niemand behauptet. Sie begehen den Fehler des
    Umkehrschlusses. Ich glaube nicht, dass ich Ihnen diesen als erfahrenen
    Publizisten oder „Blogger“ erläutern muss. In Ihrem zweiten Artikel (Eloge) werden
    falsche Schlüsse aus der Polemik Ihrer Kommentatoren gezogen.

    Die wahre Feinheit im Schreiben, Formulieren
    und/oder Publizieren erreicht die Höchstform offensichtlich nicht in kläglichen
    polemischen Texten, wie er hier versucht worden ist, sondern, wie ich glaube,
    mit überzeugenden Argumenten, die eine Behauptung untermauert. In Ihrem
    Artikeln geht das nicht hervor. Somit handelt es sich um publizistischen
    Nonsense bzw. textlichem Humbug.

    Mit freundlichem Gruß

    Gerhard Baumer

  • Gib mir Fünf

    Also falls Sie mit diesem Text die Absicht hatten die Wogen zu glätten – dann viel Glück! Sie haben es geschafft eine Eloge zu schreiben, die noch beleidigender ist als der ursprüngliche Text.

    *kopfschüttel* Mir wurde immer beigebracht, wenn man eine Entschuldigung nicht ernst meint sollte man es besser sein lassen.