Zillertal Välley Rälley: Öfter mal was Neues!

Zillertal Välley Rälley: Öfter mal was Neues!
5 (100%) 2 votes

Ich bin ja so weit davon entfernt ein guter Snowboarder zu sein wie Till Schweiger davon entfernt ist ein guter Schauspieler zu sein. Warum ich dann dennoch über die „Zillertal Välley Rälley“ schreibe? Ganz einfach: Ich würde gerne dazugehören. Ich würde gerne ebenso cool sein und ich würde mich gerne mit all diesen Fachbegriffen, die einem da um die Ohren gehauen werden, auskennen. Das Snowboarden, so scheint es, ist eine Parallelwelt. Zumindest für mich.

Ich wurde  auf dieses Thema regelrecht gestoßen. Ich sitze, nichts ahnend, in meiner Lieblingsbar in Innsbruck. Dort, wo normalerweise Leute die jugendlich, cool und sportlich sind eher nicht ein und ausgehen. Doch eines Tages, es muss letzte Woche gewesen sein, geschah es. Ein bärtiger Typ, sportlich und auf eine Art auch lässig gekleidet betrat die Bar zusammen mit ein paar Freunden, die ihm alle auf gewisse Weise ähnlich sahen, sich aber zumindest ähnlich verhielten. Immer wieder streuten sie englische Fachbegriffe ein, die mir gar nichts sagten. Und das obwohl ich geglaubt hatte, dass ich des Englischen mächtig sei. Oft fiel das Wort „shredden“, das mir sogar noch geläufig vorkam. Ich verband damit aber wohl das falsche, denn der Begriff entstammte für mich eher dem Musikkosmos und bedeutete in meiner Welt so viel „ziemlich intensiv Gitarre spielen“.

Ein Shredder ist jemand, der seine Gitarre ganz schön malträtiert. Hatte ich es also mit Musikern zu tun, die gerade irgendwelchen hippen Bands hinterher liefen, also mit sogenannten Hipstern? Als aber dann noch Begriffe fielen wie „Jib Obstacles“, „Rails“, „Tanks“ oder „Rookie“ wusste ich, dass ich mit meiner Vermutung auf dem Holzweg  war. Ich hätte nur die Zeichen der Markenkleidung lesen müssen und ich hätte es auch schon gewusst.

Würde das bald ich sein?

Würde das bald ich sein? (Bild: Tirol Werbung)

Ich mache es kurz, weil ihr es ja vermutlich eh schon wisst: Es waren Snowboarder. Mir kamen sie in diesem Moment vor wie Wesen vom anderen Stern. Und mir wurde in diesem Augenblick bewusst, dass es nicht nur eine Parallelgesellschaft gab, sondern viele Parallelgesellschaften. Fakt war aber wohl auch: Diese Snowboarder gehörten mehr zum Mainstream als ich. Nicht sie gehörten einer Parallelgesellschaft an, sondern ich. Sport ist immerhin massentauglich. Wie viele in Tirol lebende Menschen wie mich gibt es schon, die die Berge lieber wandernd oder im Winter bevorzugt vom Tal aus betrachteten? Wohl wenige, oder?

„Shredden“ im Zillertal…

Was mir jedoch auch bewusst wird, bei all der Befremdung: Ich würde da auch gerne mal dazugehören. Vielleicht nur für ein paar Augenblicke, Stunden oder Tage. Um zu sehen, wie es sich anfühlt, wenn man sportlich, hip und trendy ist. Wie es ist, wenn man in jedem zweiten Satz ein englisches Wort einbauen muss, um im Duktus der anderen Leuten, die einen umgeben, zu sprechen und somit dazuzugehören. Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein, wie es einst schon die Band Tocotronic formulierte. In ihrem Lied drückte sich aber auch all die Unmöglichkeit aus, dazuzugehören. Aber die Sehnsucht blieb.

Die Frage war also, wie ich anstellen sollte mich da „einzuschleusen“? Vermutlich musste ich vorher noch ein paar Fertigkeiten am Snowboard entwickeln, ganz egal wie man da nannte? Vielleicht Skills? Zumindest im Hip-Hop nannte man Fertigkeiten und Fähigkeiten so. Würde darum auch gute in die Welt des Snowboard-Fahrens passen. Zumindest aus meiner Sicht. Beim Anmeldeformular würde ich vermutlich aber spätestens scheitern, schlicht und einfach weil ich keine Ahnung hatte, was unter „Stance“ zu verstehen war, die entweder mit „regular“ oder „goofy“ zu beantworten war. Zu welchem Coaching sollte ich mich anmelden? Und warum nannten sich die Veranstalter und Köpfe hinter dieser Veranstalter „Ästhetiker“? Ich muss gestehen: Ich war und bin vollends verwirrt.

Was Hänschen nicht lernt - hätte ich schon früher mit dem Snowboarden beginnen sollen (Bild: Tirol Werbung)

Was Hänschen nicht lernt – hätte ich schon früher mit dem Snowboarden beginnen sollen (Bild: Tirol Werbung)

Dieses Jahr würde ich aber wohl ohnehin nicht mehr teilnehmen könne. Ich musste aufs nächste Jahr warten, bis sich meine Fähigkeiten und „Skills“ am Snowboard verbessert hatten, damit ich zumindest als „Rookie“ durchging. Denn was könnte spannender sein, als sich in fremde Welten einzuschleichen, diese zu erleben? Wird das Leben nicht unendlich viel reicher und vielfältiger, wenn man nicht nur immer in seiner eigenen kleinen Welt umher lungert? Würde ich dann nicht auch bald Sieger eines Contests sein und die Leute würden mir zujubeln? Der Moderator würde laut „Make some noise“ rufen und würde mich als „the one and only…“ ankündigen?

Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass ich bald ins Zillertal kommen musste. Auf einen Winterurlaub. Mit meinem nagelneuen Snowboard, das ich mir in den nächsten Tagen kaufen würde. Bis dahin machte ich es mir in einem Hotel in Fügen gemütlich. Sicherheitshalber, falls es mit dem Snowboarden doch nichts werden sollte. Dann bleibt immer noch gutes Essen und ein bisschen Wellness übrig…