Der FC Wacker Innsbruck plant den raschen Wiederaufstieg. Mission impossible!

Der FC Wacker Innsbruck plant den raschen Wiederaufstieg. Mission impossible!
4.11 (82.22%) 27 votes

0:2 in Mattersburg. Das muss noch nichts bedeuten, aber die Vorzeichen stehen schlecht.  Das weiß auch Trainer Michael Streiter, der nicht nur ein ausgewiesener Fachmann ist sondern auch selbst ein exzellenter Fußballer war. Aber was soll er machen, ihm sind die Hände gebunden. Bedingt durch einen ausgedünnten Kader mit ein paar Routiniers, die ihren Zenit längst überschritten haben, und Spielern, denen ganz einfach das Können für die Bundesliga fehlt. Diejenigen, die es konnten, haben längst das Weite gesucht. Da kann man nix machen. Der Wille ist zweifellos vorhanden, doch der allein genügt ganz einfach nicht, um rasch wieder oben mitspielen zu können.

Die Wurzel des Übels ist nicht unter dem Rasen des Tivoli verborgen, sie sitzt, wie fast immer in solchen Fällen, im Vorstand. Dieser ist durchwegs mit honorigen Leuten besetzt, alle höchst erfolgreich in ihren Berufen, und auch Wille und Leidenschaft werden vorhanden sein, jedoch: Sie haben keine Ahnung von Fußball, geschweige denn, dass sie selbst einmal auf hohem Niveau gespielt hätten. Die Zahl der Vereine wo so etwas funktioniert hat, kann man an einer Hand abzählen. Werder Bremen war jahrelang eine solche Ausnahme. Willi Lemke hat das Geld herangeschafft und um den Sport kümmerten sich die Fußballexperten, allen voran Leute wie Klaus Allofs, Otto Rehhagel oder Thomas Schaaf. Das lässt sich natürlich nicht 1:1 auf den FC Wacker Innsbruck umlegen. Schon allein auf Grund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Und auch das weiß Michael Streiter. Aber Teil seiner Jobbeschreibung ist es nun mal vom baldigen Wiederaufstieg zu sprechen. Selbst gegen besseres Wissen. Obwohl seine Aussagen ohnehin schaumgebremst ausgefallen sind. Er weiß warum. Das Träumen überlässt er dem Vorstand.

Und dieser hat sich schon in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Dass es schwierig ist Sponsoren aufzutreiben, mag man ihm nicht ankreiden. Kein Wunder bei der jüngeren Historie des Vereins. Aber dadurch entstand ein weiteres Problem. Nämlich die Abhängigkeit von Stadt und Land. Und die damit verbundenen, regelmäßigen, Bittgänge um weitere Subventionen. Irgendwann wird die Aufstellung im Landhaus gemacht. Und nichts schmeichelt Politikern und Pseudofunktionären mehr, als wenn sie im Fußball ein gewichtiges Wörtchen mitreden dürfen. Das schafft Aufmerksamkeit und füttert die Medien. Brot und Spiele. Wie im alten Rom.

Und erst die Kaderzusammenstellung der jüngeren Vergangenheit. Ein Lehrbeispiel an Ineffektivität. Da wurden Spieler geholt, die sich schon in der Westliga schwer getan hätten. Professionelles Scouting – Fehlanzeige. Auch das ist ein großes Manko gegenüber anderen Klubs. Und dann noch das Theater um Roland Kirchler. Zuerst setzt man ihm seinen Co-Trainer als Sportdirektor vor die Nase, in der Hoffnung, dass er selber hinschmeißt, und als er das nicht tut wirft man ihn raus, um mit dem Allheilmittel neuer Trainer den Untergang doch noch zu vermeiden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt jeder wusste, dass die Mannschaft selbst mit einem Trainer wie Josep Guardiola absteigen würde. Kompetenz sieht anders aus. Dass der Vorstand ausgeglichen bilanzieren will ist aller Ehren wert und auch nachvollziehbar. Niemand setzt sich freiwillig in den Schuldenturm. Aber wenn man schon Ziele ausgibt, dann bitte auch realistische. Die schwersten Gegner in dieser Saison heißen Horn und Hartberg. Die spielen auch gegen den Abstieg. Und selbst dem größten Sportromantiker sollte mittlerweile klar sein: Geld spielt doch Fußball!