Ganz langsam nach Savognin

Ganz langsam nach Savognin
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Die Schweiz verfügt über insgesamt elf UNESCO-Weltkultur- und Naturgüter. Jetzt kommt noch eines hinzu. Die Langsamkeit. Die Langsamkeit der Schweizer ist legendär. Das sagt man besonders den Bernern nach, trifft aber genauso gut auf die Graubündner zu. Sie sind die beste Medizin gegen hohen Blutdruck und Hyperaktivität und reden, sofern man sie lässt, jeden ins Koma. Der Schweizer lässt sich gerne Zeit. Offenbar hat er eine Menge davon. Und viel Geld muss er auch haben. Denn im Vergleich zu uns kostet alles das Doppelte. Sogar die Obdachlosenzeitung. Da sind sie konsequent.

Ich habe beruflich immer wieder mal in der Schweiz zu tun. Genau genommen in Savognin Bivio Albula. Einer im Sommer wie auch im Winter beliebten Ferienregion im Herzen Graubündens. Ein paar Hardfacts gefällig: Parc Ela, der größte Naturpark der Schweiz, ein Badesee, 400 km Wanderwege, 240 km Bikerouten, 80 km Pisten, Kinderskiparadies und ein Würfel. Der Würfel nennt sich Hotel Cube und liegt direkt neben der Talstation der Bergbahn. Schon mal davon gehört? Das Konzept dieser Hotels, ein Pendant dazu gibt es am Kärntner Nassfeld, lautet: Komfortlos, preiswert, hipp und trendy. Das perfekte Biotop für Junge und Junggebliebene. Die lümmeln kreuz und quer in der Lobby herum und fühlen sich sichtlich wohl. So der erste Eindruck wenn man das Hotel betritt. Und der Eindruck täuscht nicht. An den Wänden hängen riesige Flatscreens, ein Poolbillard steht mitten in der Lobby und eine Bar hat es auch. Wie der Schweizer sagen würde. Das alles trägt natürlich zum Wohlfühlfaktor der durchwegs gechillten Gäste bei. Treppen sucht man übrigens vergebens. Anstelle dessen führen breite Rampen von Stockwerk zu Stockwerk. Mit dem Mountainbike direkt ins Zimmer. Und nachts geht dann die Post ab, wenn sich der Würfel in einen Club verwandelt. Den Hangover am nächsten Tag bekämpft man dann am besten mit den neuesten Wintersportgeräten auf den extrabreiten und perfekt gepflegten Pisten.

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Eigentlich die perfekte Symbiose. Tagsüber entschleunigen, nachts Gas geben. Am besten sie machen sich selbst ein Bild davon und fahren nach Savognin. Aber schön langsam. Denn der Bußgeldkatalog der Schweiz hat es in sich!

Mein Tipp: Nehmen sie ihren Nachwuchs mit. Kinder bis 10 Jahre fahren bei den Bergbahnen Savognin gratis in Begleitung eines zahlenden Elternteils!