Bequeme Schuhe für den Bettler von heute

Bequeme Schuhe für den Bettler von heute
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Achtung, das ist ein Aufruf an die Innsbrucker Bevölkerung. Nehmen sie die Wäsche von der Leine und bringen sie die Kinder ins Haus. Die Bettler-Mafia ist in der Stadt. Alle wehrfähigen Männer werden aufgerufen sich umgehend bei der Bürgerwehr zu melden. Oder bei den Schützen. Auf jeden Fall noch heute.

Jetzt ist es also soweit. Man kann in der Tiroler Landeshauptstadt nicht mehr vor die Türe gehen. Rund 125.000 Einwohner sind in der Geiselhaft von 15 bis 20 Bettlern (das –innen lasse ich auch hier wieder weg). Laut FPÖ ist diese Gruppe mafiös strukturiert, bettelt gewerbsmäßig, und manche der Gruppenmitglieder ziehen sogar unbequeme Schuhe an, damit ihnen das Humpeln leichter fällt. Aber das Schlimmste kommt erst noch. Angeblich sind keine einheimischen Bettler dabei. Typisch Ausländer! Jetzt nehmen sie uns auch noch diese Arbeitsplätze weg.

Ok, ich gebe es zu. Auch mir läuft manchmal ein Bettler mit unbequemen Schuhen vor die Füße, hält mir einen leeren Pappbecher unter die Nase und murmelt dabei „biiite, biiite“. Und ich habe noch nie was gegeben. Ist ja auch freiwillig. Aber dabei von einer massiven Belästigung oder gar Bedrohung zu sprechen ist mehr als übertrieben. Unter Belästigung verstehe ich etwas anderes. Zum Beispiel Wahlkampfzeiten. Wenn einem an jeder Hausecke von jeder x-beliebigen Partei ein Hochglanzfolder, Kugelschreiber oder Flaschenöffner aufgedrängt wird. Die Wahlwerber haben zwar alle bequeme Schuhe an, aber „biiite, biiite“ sagen sie trotzdem, in der Hoffnung, dass man sein Kreuzchen diesmal bei ihnen machen wird. Mach ich aber nicht.

Angeblich würden bereits besorgte Touristen nachfragen, ob Innsbruck eine arme Stadt sei, weil so viele Menschen auf der Straße betteln müssen. Jetzt haben wir den Salat. Touristen aus Deutschland, Italien, England, Japan, den USA oder woher auch immer, haben schließlich noch nie einen Bettler gesehen. So was gibt es bei denen zuhause nicht.

Die Erregung hat natürlich System. Wenn die Politik ein großes Problem nicht lösen kann, dann sucht sie sich ein kleines. Und trampelt so lange darauf herum, bis es medial aufgebauscht ist wie das Ungeheuer von Loch Ness. Ein ideales Thema fürs Sommerloch. Mein Tipp: Wenn ihnen demnächst wieder einer vor die Füße humpelt, dann spenden sie bequeme Schuhe.